Die Zahlen — Was Garajau besonders macht
Das Garajau Unterwasser-Naturreservat ist Portugals ältestes Meeresschutzgebiet. 1986 ausgewiesen, umfasst es 376 Hektar Küstengewässer zwischen dem Cristo-Rei-Aussichtspunkt und der Ponta da Oliveira, etwa 6 km östlich von Funchal. Das vollständige Fischereiverbot — null Ausnahmen, null Toleranz — gilt seit Tag eins. Das Ergebnis nach 40 Jahren: eine Fischpopulationsdichte, die etwa das Drei- bis Vierfache der umliegenden, nicht geschützten Gewässer beträgt.
Die Zahlen im Vergleich: In ungeschützten Küstenabschnitten Madeiras begegnen Schnorchler durchschnittlich 4-6 Fischarten pro Tauchgang. In Garajau sind es 15-20 Arten — darunter Zackenbarsche von 60-80 cm Länge, die in befischten Gebieten kaum 20 cm erreichen, bevor sie gefangen werden. Die Sichttiefe liegt an den meisten Tagen bei 15-25 m, im Hochsommer bei Windstille bei bis zu 30 m. Am Morgen (8-11 Uhr) ist die Sicht am besten — nachmittags reduziert der aufkommende Nordostpassat die Klarheit auf 5-10 m.
Die Garajau-Kajaktour für 58 $ ist mit 4,56★ bei 112 Bewertungen die bestbewertete Kajaktour der Insel — und im Vergleich zu ähnlichen Touren im Mittelmeerraum (Kreta: 70-90 €, Azoren: 65-80 €) preislich konkurrenzfähig.
Meine erste Kajaktour in Garajau — September 2023
Ich bin auf Madeira geboren, aber Garajau vom Wasser aus kannte ich nicht — bis Miguel mich im September 2023 auf eine seiner Touren mitnahm. Miguel führt seit 12 Jahren Kajaktouren an dieser Küste durch. An diesem Morgen lag das Wasser spiegelglatt, 22°C Wassertemperatur, kein Wind. Wir paddelten etwa 200 Meter vom Strand entfernt, als Miguel das Paddel hob und nach Steuerbord deutete. Keine 10 Meter von meinem Kajak entfernt fraß eine Unechte Karettschildkröte — ein Weibchen, schätzte Miguel, mindestens 70 cm Panzerlänge — Seetang von einem Felsen ab. Sie sah uns einmal an, entschied, dass wir keine Gefahr darstellten, und fraß weiter.
Miguel erzählte mir später, dass die Guides sie Amália nennen, nach der Fado-Sängerin. Sie taucht seit mindestens sieben Jahren in dieser Bucht auf, meistens zwischen 9 und 11 Uhr. Die Guides erkennen sie an ihrem Panzermuster — eine kleine Kerbe am linken hinteren Randschild. Ich habe auf den Azoren und im Roten Meer geschnorchelt, aber ich war noch nie so nah an einer wilden Schildkröte, die nicht von einer Touristengruppe gehetzt wurde. Das ist der Unterschied, den 40 Jahre Fischereiverbot machen: Die Tiere haben verlernt, dass Menschen eine Bedrohung sind.
Am selben Vormittag paddelten wir in eine Meereshöhle, deren Eingang vom Cristo-Rei-Aussichtspunkt aus unsichtbar ist — ein schmaler Spalt im Basalt, der sich zu einer 15 m tiefen Kammer öffnet. Das Wasser darin leuchtete türkis, weil das Sonnenlicht von unten durch eine Unterwasseröffnung einfällt. Ein Zackenbarsch, geschätzt 70 cm lang, kam unter meinem Kajak hervor und inspizierte uns eine volle Minute lang, bevor er gemächlich abdrehte. In jedem anderen Küstengewässer wäre dieser Fisch längst auf einem Teller gelandet.
So läuft die Garajau-Kajaktour ab
Kajak- und Schnorcheltour im Garajau-Naturreservat
Die Tour beginnt am Praia do Garajau — erreichbar per Seilbahn vom Aussichtspunkt oder mit dem Auto (Parkplatz an der Strandstraße). Nach Sicherheitseinweisung und Ausrüstungsanpassung (Sit-on-Top-Kajak, Paddel, Schwimmweste, Schnorchelmaske, Flossen) paddeln Sie entlang der vulkanischen Steilküste Richtung Osten. Die Route führt an Basaltformationen vorbei, die vor 2-3 Millionen Jahren als Lava erkaltet sind — die sechseckigen Säulenstrukturen sind vom Wasser aus besonders deutlich sichtbar, weil Erosion die weicheren Schichten freigelegt hat.
Nach etwa 45 Minuten Paddeln erreichen Sie eine geschützte Bucht innerhalb des Reservats. Hier wird geankert und Sie schnorcheln 30-40 Minuten in Wasser, das im Sommer 20-24°C erreicht (Neoprenanzüge werden in kühleren Monaten gestellt). Die Wassertemperatur im Juni liegt bei 20°C, im August-September bei 23-24°C. Keine nennenswerten Strömungen in der Bucht — die Felsen brechen den Atlantikschwell.
Offizielle Informationen zu Küstenschutzgebieten finden Sie auf Visit Madeira und beim ICNF, Portugiesisches Naturschutzinstitut.
Jetzt buchen →Was Sie sehen werden
Meeresfauna im Garajau-Reservat
Das Reservat schützt 376 Hektar. Nach 40 Jahren ohne Fischerei ist die Artenvielfalt bemerkenswert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sehen Sie:
- Braune Zackenbarsche (Epinephelus marginatus) — die inoffiziellen Maskottchen des Reservats, 60-80 cm, zutraulich und neugierig
- Papageifische (Sparisoma cretense) — farbenprächtig, häufig im Flachwasser
- Muränen (Muraena helena) — schauen aus Felsspalten hervor, beißen nicht, wenn man Abstand hält
- Barrakudas (Sphyraena viridensis) — patrouillieren in kleinen Schulen am Rande der Bucht
- Kraken (Octopus vulgaris) — Tarnungskünstler zwischen den Felsen
- Meerbrassen, Lippfische, Riffbarsche — die allgegenwärtigen Riffbewohner
Gelegentlich werden Unechte Karettschildkröten und Adlerrochen gesichtet — etwa an jedem fünften bis sechsten Tag, häufiger im Spätsommer.
Vulkanische Küstenlandschaft
Die Klippen östlich von Funchal sind Basaltformationen — erstarrte Lavaströme aus Madeiras vulkanischer Entstehungsphase vor 5-2 Millionen Jahren. Vom Kajak aus paddeln Sie unter Felswänden, die 50-100 m über Ihnen aufragen. Die Perspektive vom Wasserspiegel aus ist grundlegend anders als von den Aussichtspunkten oben — Felsformationen, die vom Cristo Rei wie eine homogene Wand wirken, lösen sich in einzelne Basaltsäulen, Brandungshöhlen und natürliche Brücken auf, die nur vom Wasser aus sichtbar sind.
Die Höhlen, die Sie befahren können (je nach Bedingungen), sind durch Jahrtausende von Atlantikwellen in den Basalt geschliffen. Die Guides kennen jede Formation und wissen, welche Höhlen bei welchem Wellengang sicher sind — das ist keine Information, die Sie aus eigener Erkundung gewinnen können.
Fairerweise muss man sagen: Für wen Kajakfahren nicht geeignet ist
Fairerweise muss man sagen: Kajakfahren auf dem offenen Atlantik ist nicht dasselbe wie eine Paddeltour auf einem Binnensee. Ich habe Gäste gesehen, die nach 20 Minuten Paddeln die Arme nicht mehr heben konnten — nicht wegen mangelnder Fitness, sondern weil sie den Wind unterschätzt hatten.
- Seekrankheit: Die Bucht von Garajau ist meist ruhig, aber der Atlantik bleibt der Atlantik. An Tagen mit westlichem Schwell (etwa 3-4 Tage pro Monat) schaukelt es auch in der Bucht. Wer auf einer Fähre im Hafenbecken seekrank wird, sollte vorher ein Mittel nehmen oder eine Alternative wählen.
- Körperliche Grundfitness: 2 Stunden Paddeln mit Pausen entsprechen etwa einer mittelschweren Wanderung. Sie brauchen keine Sportlerkondition, aber wer nach zwei Treppen außer Atem ist, wird die Tour nicht genießen. Der Guide passt das Tempo an die Gruppe an — aber zurückpaddeln muss er Sie nicht.
- Kälteempfindlichkeit: 20-24°C in der Bucht klingt warm. Nach 30 Minuten Schnorcheln ohne Neopren (im Hochsommer optional) sinkt die Körperkerntemperatur um etwa 0,5-1°C — das reicht, damit manche zu zittern beginnen. In den kühleren Monaten (November-April) werden Neoprenanzüge gestellt. Wer schnell friert: Buchen Sie Juli-September, dann ist das Wasser am wärmsten.
- Wasserscheu: Sie sitzen auf einem Sit-on-Top-Kajak — Ihre Beine sind dem Wasser ausgesetzt, Sie werden nass, und beim Ein- und Ausstieg am Strand stehen Sie knietief im Atlantik. Kein Problem für die meisten, aber wer ungern nass wird: Dies ist die falsche Aktivität.
- Alternativen bei Unsicherheit: Wenn Ihnen Kajakfahren zu anstrengend erscheint, ist Walbeobachtung per Katamaran (ab 41 $) die komfortablere Wahl — gleiche Küstenperspektive, null Anstrengung, und Sie sehen Meeressäuger statt Fische.
Was man wissen sollte: Praktische Details
Startpunkt: Praia do Garajau, erreichbar per Seilbahn (2,50 € einfach, Betrieb 8-20 Uhr im Sommer, bis 18 Uhr im Winter) oder per Auto. Der Parkplatz an der Strandstraße hat etwa 20 Plätze — im Sommer um 8:30 Uhr voll. Planen Sie 15 Minuten Puffer für die Seilbahn ein.
Beste Tageszeit: Morgenslot 9 Uhr. Das Wasser ist ruhiger, die Sicht besser (15-25 m vs. 5-10 m nachmittags), und die Chance auf Schildkröten-Sichtungen ist zwischen 9 und 11 Uhr statistisch am höchsten. Der Nachmittagsslot (14 Uhr) ist nur im Hochsommer (Juli-August) zu empfehlen, wenn die Morgentouren ausgebucht sind.
Beste Jahreszeit: Mai bis Oktober. Juni und September sind die besten Monate — Wassertemperatur 20-23°C, weniger Touristen als im August, stabilere Seebedingungen. November bis März: Touren finden statt (Wassertemperatur 17-19°C), aber mit Neoprenanzug und bei eingeschränkter Sicht. Dezember-Februar haben die höchste Stornierungsquote wegen Atlantikstürmen — etwa 25% der Touren in diesen Monaten werden wegen Seegangs abgesagt.
Vorausbuchung: 2-3 Tage im Voraus reichen in der Nebensaison. Im August und an Feiertagswochen eine Woche vorher buchen — die Morgentouren sind die ersten, die ausgebucht sind. Die Garajau-Morgentour um 9 Uhr ist konstant die erste ausgebuchte Kajaktour der Insel.
Stornierung durch den Anbieter: Bei Wellen über 2 m oder Wind über 25 km/h werden Touren abgesagt — das ist eine Sicherheitsentscheidung, kein Serviceproblem. Sie erhalten eine vollständige Rückerstattung oder einen Ersatztermin. Die Absage erfolgt in der Regel am Vorabend per E-Mail oder WhatsApp.
Was Sie mitbringen sollten
Badekleidung — die unter den Neoprenanzug kommt. Sonnenschutz (LSF 50, wasserfest) — die UV-Strahlung auf dem Wasser ist etwa 15-20% höher als an Land wegen der Reflexion, und Sie merken es nicht, weil der Fahrtwind kühlt. Jeder zehnte Gast kommt mit Sonnenbrand zurück, weil er dachte, zwei Stunden auf dem Wasser seien unkritisch. Handtuch und Wechselkleidung — nach der Tour sind Sie nass und der Fahrtwind auf der Seilbahn-Rückfahrt ist kühl.
Kein Schmuck, keine Brille ohne Band, keine Wertgegenstände — es gibt keine abschließbaren Schließfächer am Strand. Lassen Sie alles außer einem wasserdichten Handybeutel (den Sie um den Hals tragen können) im Hotel oder im Auto.
Was der Anbieter stellt: Sit-on-Top-Kajak, Doppelpaddel, Schwimmweste, Schnorchelset (Maske, Schnorchel, Flossen), Neoprenanzug (Oktober-Mai, auf Anfrage auch im Sommer). Die gesamte Ausrüstung wird vor jeder Tour geprüft und gewartet — die Guides tauschen Maskenbänder und Flossenschnallen präventiv aus, sobald sie Abnutzung zeigen.
Tipp von mir: Nehmen Sie eine kleine Flasche Wasser mit — 2 Stunden in der Sonne auf dem Atlantik dehydrieren stärker, als Sie denken. Und buchen Sie den Morgen-Slot. Ich habe beide gemacht. Die 9-Uhr-Tour hat konstant bessere Sicht, mehr Tierbegegnungen und ruhigeres Wasser.
Kurzurteil
Die 58-$-Kajak- und Schnorcheltour im Garajau-Reservat ist Madeiras beste wasserbasierte Aktivität für aktive Reisende. In 2 Stunden paddeln Sie entlang vulkanischer Klippen, befahren Meereshöhlen und schnorcheln in einem der ältesten Meeresschutzgebiete Europas — mit einer Meeresfauna, die Sie in dieser Dichte und Zutraulichkeit kaum anderswo in europäischen Gewässern finden. Mit 58 $ inklusive kompletter Ausrüstung ist das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu ähnlichen Touren im Mittelmeerraum konkurrenzfähig. Morgenslot buchen, Sonnenschutz nicht vergessen, und die Arme für die ersten 15 Minuten Paddeln schonen — danach gewöhnt sich der Körper an die Bewegung.
Letzte Aktualisierung: Juni 2026
Wir erhalten eine Provision, wenn Sie über unsere Links auf Viator buchen — ohne Mehrkosten für Sie. So bleibt die Seite kostenfrei.