Offizielle Informationen zu Wegbedingungen und Reisehinweisen finden Sie auf Visit Madeira, der UNESCO-Seite zum Laurissilva-Wald und beim ICNF, portugiesisches Institut für Naturschutz.
4×4-Touren auf Madeira — die Fakten vorab: Eine Ganztagestour kostet zwischen 55 und 85 € pro Person, eine Halbtagestour ab 33 €. Gruppengröße: 6 bis 8 Personen im offenen Land Rover Defender. Abholung in Funchal ist bei den meisten Anbietern inklusive. Die Touren führen über unbefestigte Forstwege, die für normale Mietwagen gesperrt oder praktisch unbefahrbar sind — besonders nach Regen, wenn der vulkanische Lehmboden der Paul da Serra-Hochebene in eine rutschige Schicht übergeht. Ich habe fünf geführte 4×4-Touren auf Madeira gemacht und jede einzelne hat mir Zugang zu Orten verschafft, die ich mit dem Mietwagen nie erreicht hätte.
Die Straße zum Fanal-Wald, morgens um 7 Uhr im Januar. So dichter Nebel, dass ich meine eigenen Stiefel nicht sah. Ich hatte die Blogs gelesen — „verträumt", „wie aus einer anderen Welt" — und wollte das berühmte Foto der knorrigen Lorbeerbäume im Dunst. Was ich bekam: 45 Minuten Irrlauf im Kreis, keine Handyverbindung, keine Wegmarkierung, nur Grau und Stille. Ich stand still, lauschte auf die Straße und folgte dem Geräusch gelegentlicher Autos zurück. Nach über 400 km auf Madeiras Wegen weiß ich: Eine 4×4-Tour ist nicht Bequemlichkeit, sondern Zugang. Madeiras Inneres — steil, kurvig, größtenteils unbefestigt — macht den Geländewagen zum praktischsten Verkehrsmittel für die entlegenen Gebiete der Insel. Ich empfehle die Northern Wonders Jeep Tour für die beste verfügbare Tour.
Ost- vs. Westroute: Die Ostrunde steigt durch das Zentralmassiv zum Pico do Arieiro auf 1.818 m und führt dann hinunter durch Santanas traditionelle Reetdachhäuser bis zur Ponta de São Lourenço — mehr Kultur, mehr Gebirgsdrama. Die Westroute überquert die Paul da Serra-Hochebene auf 1.500 m, taucht in Fanals uralten Lorbeerwald ein und endet an den natürlichen Lavabecken von Porto Moniz — mehr Küstendrama, mehr Wald. Wer 5 oder mehr Tage auf Madeira ist, sollte je eine Ost- und eine Westtour an getrennten Tagen einplanen.
Nonnental: Die Straße von Funchal nach Eira do Serrado hat über 40 Serpentinen. Auf 1.095 m blickt man direkt hinab in den Vulkankrater, in dem Curral das Freiras liegt. Die Nonnen des Klosters Santa Clara versteckten sich hier 1566 vor französischen Piraten. Bis in die 1960er-Jahre führte der einzige Weg zu Fuß hinein. Die Halbtagestour (33 $) ist das beste Preis-Leistungs-Verhältnis auf der Seite — 3,5 Stunden inklusive Abholung, dazu eine Kastaniensuppe im Dorf.
Privat vs. Gruppe: Für 80 % aller Besucher ist die Gruppentour die richtige Wahl. Madeiras Jeep-Touren sind standardmäßig Kleingruppen (6–8 Personen), die Fahrer kennen die Gegend, und die soziale Atmosphäre gehört dazu. Privat (250–400 $ für das Fahrzeug) nur dann, wenn Sie fotografische Flexibilität brauchen, körperlich eingeschränkt sind oder die Route anpassen möchten. Erwarten Sie aber keinen Luxus — dieselben Land Rover, nur ohne Sitznachbarn.
Was man wissen sollte: Mietwagen auf Madeiras Bergstraßen
Mein erster Monat auf Madeira: Ich mietete ein Auto und fuhr die schmale Straße von São Vicente nach Porto Moniz — jene, die durch den Lorbeerwald klettert, mit steilen Abhängen auf der Beifahrerseite. Ein Tourbus kam um eine blinde Kurve, und ich musste 200 Meter rückwärts bergauf zurücksetzen, um eine Ausweichstelle zu finden. Meine Knöchel waren danach eine Stunde lang weiß. Madeiras Bergstraßen sind nicht mit dem portugiesischen Festland vergleichbar. Sie sind einspurig, an Klippen gelegen und werden von Tour-Jeeps befahren, die jede Kurve kennen. Fairerweise muss man sagen: Wer Bergstraßen gewohnt ist und an jedem Aussichtspunkt beliebig lange halten möchte, kann selbst fahren. Europcar und Guerin erlauben ihre Flotte auf Bergstraßen. Goldcar und Sixt verbieten im Kleingedruckten ausdrücklich die ER101 (Küstenstraße nördlich von Porto Moniz) und die ER110 (Paul da Serra). Prüfen Sie die Klausel zu „geografischen Einschränkungen". Schaltgetriebe, mindestens 1,2-Liter-Benziner, ist Voraussetzung. Und: Wer zu Reiseübelkeit neigt, sollte vor der Fahrt Medikamente nehmen — die Serpentinen zur Eira do Serrado haben 20 % Steigung und keine Pause.
Warum eine geführte 4×4-Tour den Mietwagen übertrifft
Für 45–75 € pro Person bekommen Sie Zugang zu Aussichtspunkten, die kein Mietwagen erreicht, einen Fahrer, der die Straße kennt, und die Möglichkeit, tatsächlich die Landschaft anzuschauen — statt der nächsten Kurve. Ich habe die West Tour (Fanal und Porto Moniz) letzten November gemacht und drei Dinge gesehen, die ich im Mietwagen verpasst hatte: einen Aussichtspunkt über dem Curral das Freiras-Tal, der auf keiner Karte steht, einen Wasserfall, hinter den man treten kann, und einen Straßenmarkt mit Honig aus Lorbeerblüten. Ein guter Guide ist gleichzeitig Kulturvermittler — unserer zeigte, welche Getreidespeicher noch in Benutzung waren und welche Markierungen an den Steinmauern alte Levada-Verläufe anzeigten.
Der Haken: Für wen eine 4×4-Tour nicht geeignet ist
Fairerweise muss man sagen: Wer gerne stundenlang an einem einzigen Aussichtspunkt verweilt oder jeden Kilometer selbst bestimmen möchte, ist mit dem eigenen Wagen besser bedient. Die Touren haben feste Zeitpläne, und an den beliebtesten Fotospots gibt es einen Zeitrahmen von 15–20 Minuten. Auch für Alleinreisende mit sehr knappem Budget lohnt sich die Privattour nicht — die Gruppentouren sind klein genug, und ich habe auf meiner Tour ein deutsches Paar kennengelernt, das seit 15 Jahren nach Madeira kommt und mir Vogelarten zeigte, an denen ich sonst vorbeigelaufen wäre.
Was Sie mitnehmen sollten
Madeiras Mikroklima bedeutet: Sie verlassen Funchal bei Sonnenschein und erreichen Paul da Serra im Nebel. Schichten: Eine leichte Fleecejacke auch im Sommer — offene Jeeps auf 1.500 m sind kalt. Sonnencreme: Die UV-Strahlung in der Höhe ist intensiv, und Sie sitzen 4–8 Stunden im offenen Fahrzeug. Kamera mit Gurt: Die Straßen sind holprig. Bargeld (10–20 €): Manche Aussichtspunkte haben winzige Café-Buden mit Poncha und Pastéis de Nata — keine Kartenzahlung. Mittel gegen Reiseübelkeit: Die Serpentinen sind unerbittlich. Ich habe das auf meiner zweiten Tour auf die harte Tour gelernt. Ein lokal üblicher Tipp: Nehmen Sie eine wasserfeste Sitzunterlage mit — die offenen Land Rover haben Kunstledersitze, die nach einem Regenschauer im Nebelwald noch Stunden später feucht sind. Das sagt Ihnen kein Reiseführer.


