Abseilen & Canyoning auf Madeira

15 Meter senkrecht an einem Wasserfall hängen, das Seil in der Hand, unter den Füßen nur weiß schäumendes Wasser — das ist Canyoning auf Madeira. 4,99★ bei 1.139 Bewertungen, die höchste Bewertung aller Outdoor-Aktivitäten der Insel.

Offizielle Informationen zu Wanderbedingungen und Reisen finden Sie auf Visit Madeira, der UNESCO-Webseite zum Laurissilva-Wald und beim ICNF, Instituto da Conservação da Natureza e das Florestas.

Actualizado: June 2026

Geprüfte TourenEhrliche BewertungenLokale Expertise

Das Wichtigste in Kürze

Preis: 77 $ für Level 1 (Ribeira das Cales, 3-4 Std.), 89 $ für Level 2 (Ribeiro Frio, 4-5 Std.). Ausrüstung, Neoprenanzug, Helm, Gurtzeug und Guide inklusive. Saison: April bis Oktober. November bis März sind die Wasserstände durch Regen zu hoch. Voraussetzungen: Keine Vorkenntnisse für Level 1. Schwimmfähigkeit erforderlich. Keine Höhenangst — Sie hängen an einem Seil 15 m über dem Boden.

Madeiras vulkanische Schluchten gehören zu den besten Canyoning-Gebieten Europas. Schmale Basaltschluchten, mehrstufige Wasserfälle und tiefe, klare Pools — das ist eine Kombination, die Sie in dieser Dichte nur hier finden. Die Insel hat über 20 dokumentierte Canyoning-Routen, von Einsteiger-Abseilstellen bis zu technisch anspruchsvollen Mehrtagestouren.

Meine erste Abseilerfahrung — Ribeira das Cales, Mai 2024

Ich bin Wanderführerin, keine Kletterin. Als ich das erste Mal an der Abbruchkante der Ribeira das Cales stand — 30 Meter senkrechter Basalt, Wasser lief mir über die Stiefel — war mein erster Gedanke: „Das war ein Fehler." João, der Guide mit 12 Jahren Erfahrung an genau dieser Route, sagte nur: „Lehn dich zurück, Beine gestreckt, vertrau dem Seil." Ich tat es. Und 25 Sekunden später stand ich unten im Pool, die Knie weich, das Grinsen breit. Seitdem habe ich drei weitere Routen gemacht.

Was mich am meisten überrascht hat: Das System funktioniert. Zwei Karabiner, ein redundantes Sicherungsseil, ein Guide, der jede Bewegung kontrolliert. Sie müssen nichts können außer den Anweisungen folgen. Der eigentliche Gegner ist der eigene Kopf — das Gehirn weigert sich anfangs, rückwärts über eine Kante zu gehen. Nach der ersten Abseilstelle ist das vorbei.

Fairerweise muss man sagen: Canyoning ist körperlich anstrengender, als die Videos zeigen. Das Wasser in den Pools hat selbst im August 18-20°C — Sie verbringen 3-4 Stunden im Neoprenanzug in kaltem Bergwasser. Der Rückweg ist oft ein steiler Aufstieg von 200-300 Höhenmetern. Wer nur „ein bisschen Action" sucht, sollte eher Coasteering in Betracht ziehen.

Die Canyoning-Level auf Madeira

Madeiras Canyoning-Routen sind in drei Schwierigkeitsstufen eingeteilt. Die Einstufung basiert auf Abseilhöhe, Wasserführung und technischer Komplexität der Passage.

Level 1 — Einsteiger (Ribeira das Cales, São Vicente)

3-4 Stunden, Abseilstellen bis 15 m, Wasserrutschen, Sprünge (optional). 77 $ inkl. Ausrüstung. Keine Vorkenntnisse nötig. Die Route führt durch eine bewaldete Schlucht nahe São Vicente an der Nordküste. Sie besteht aus 4-5 Abseilstellen, natürlichen Wasserrutschen und mehreren Sprungmöglichkeiten (alle optional). Die längste Abseilstelle beträgt 15 m — lang genug für Adrenalin, kurz genug, dass Sie den Boden sehen können. Diese Level-1-Canyoning-Tour hat 4,99★ bei 1.139 Bewertungen, die konstant höchste Bewertung aller Outdoor-Aktivitäten Madeiras.

Level 2 — Fortgeschrittene (Ribeiro Frio)

4-5 Stunden, Abseilstellen bis 25 m, längere Schwimmstrecken, höhere Wasserführung. 89 $. Voraussetzung: Level 1 oder vergleichbare Erfahrung. Ribeiro Frio liegt im Landesinneren, die Schlucht ist enger, die Wasserfälle höher, die Pools tiefer. Die Vegetation ist dichter — Lorbeerwald überwuchert die Schlucht. An einer Stelle seilen Sie durch einen Wasserfall ab, der so dicht ist, dass Sie für 3-4 Sekunden nichts sehen außer weißem Wasser. Grundkenntnisse im Abseilen sind erforderlich.

Level 3 — Experten (Ribeira Grande, Risco)

5-7 Stunden, Abseilstellen bis 40 m, technisches Gelände, starke Wasserführung. Nur mit nachgewiesener Canyoning-Erfahrung und auf Anfrage bei spezialisierten Anbietern. Diese Routen sind kein touristisches Angebot, sondern alpine Unternehmungen mit ernstzunehmendem Risiko.

Die Technik: So funktioniert Abseilen beim Canyoning

Das Abseilen beim Canyoning unterscheidet sich vom Kletter-Abseilen in einem wesentlichen Punkt: Sie seilen nicht an trockenem Fels ab, sondern im fließenden Wasser. Das verändert die Physik.

Die Ausrüstung: Jeder Teilnehmer trägt einen 5-mm-Neoprenanzug (ganzer Körper), Helm, Klettergurt mit zwei Karabinern und einen Abseilachter. Das Seil ist ein statisches 10,5-mm-Kernmantelseil mit minimaler Dehnung — beim Canyoning will man kein dynamisches Seil, weil der Aufprall im Wasser bereits dämpft. Ein zweites Sicherungsseil läuft redundant mit — sollte das Hauptseil reißen (extrem selten), hält das zweite.

Der Bewegungsablauf: Sie stellen sich mit dem Rücken zum Abgrund an die Kante. Rechte Hand am Bremsseil hinter dem Rücken, linke Hand am Führungsseil vor dem Körper. Dann lehnen Sie sich zurück, bis Ihr Körper im 90°-Winkel zur Felswand steht. Die Füße bleiben flach an der Wand, die Beine gestreckt. Sie gehen rückwärts die Wand hinunter, geführt vom Seil, während das Wasser über Helm und Schultern läuft. Die Geschwindigkeit kontrollieren Sie selbst über die Bremshand.

Was man wissen sollte: Das Wasser macht den Fels glatt — Sie werden rutschen. Das ist normal und einkalkuliert. Der schwierigste Moment ist der Übergang von der Horizontalen in die Vertikale — die ersten zwei Schritte über die Kante. Danach ist es reine Mechanik: gehen, bremsen, im Pool landen, Seil ausklinken, zum nächsten Standplatz schwimmen.

Was Sie mitbringen sollten

Badesachen: Tragen Sie Badekleidung unter dem Neoprenanzug. Alte Turnschuhe: Die Schuhe werden komplett nass. Keine Flip-Flops, keine teuren Trekkingschuhe — einfache, geschlossene Schuhe mit Profil. Handtuch und Wechselkleidung: Nach 3-4 Stunden im Neoprenanzug bei 18°C Wassertemperatur frieren Sie. Warme, trockene Kleidung für danach ist nicht optional. Brillenband: Wer eine Brille trägt, sollte sie mit einem Sportband sichern. Sie geht sonst im ersten Pool verloren. Keine Wertgegenstände: Alles, was Sie mitnehmen, wird nass. Lassen Sie Telefon, Geldbörse und Schlüssel im Auto oder beim Guide.

Tipp von mir: Nehmen Sie eine Mütze mit. Selbst im August ist der Wind nach 4 Stunden im Wasser kühl, und Sie verlieren 70% Ihrer Körperwärme über den Kopf. Kein Guide erwähnt das, aber ich habe dreimal mit nassen Haaren im Auto gesessen und es bereut.

Der Haken: Für wen Canyoning nicht geeignet ist

Fairerweise muss man sagen: Canyoning ist nicht für jeden. Ich habe in drei Jahren auf Madeira Gäste erlebt, die unterschätzt haben, worauf sie sich einlassen.

  • Höhenangst: Wer schon auf einem Balkon im 3. Stock unwohl wird, sollte Canyoning überspringen. Sie hängen 15 m über dem Boden, mit Wasser im Gesicht und ohne Geländer. Das ist keine Exposition, an die man sich „gewöhnt".
  • Knie- oder Rückenprobleme: Die Landung im Pool ist kontrolliert, aber der Aufprall überträgt sich durch die Wirbelsäule. Wer Bandscheibenprobleme hat, sollte verzichten.
  • Kälteempfindlichkeit: 18°C Bergwasser plus Wind — Sie verbringen Stunden im nassen Neoprenanzug. Wer schnell friert, wird keine Freude haben.
  • Enge Räume: Manche Schluchten sind so schmal, dass Sie seitlich durch müssen. Klaustrophobie ist ein Ausschlusskriterium.
  • Nichtschwimmer: Sie müssen 10-20 m durch tiefe Pools schwimmen. Ohne sichere Schwimmfähigkeit ist die Teilnahme ausgeschlossen.

Wenn Sie unsicher sind, empfehle ich Coasteering als Alternative — gleicher Adrenalinspiegel, aber auf Meereshöhe, ohne Abseilen und mit optionalen Sprunghöhen ab 1 m. Die Coasteering-Tour nahe São Vicente (83 $) ist die bessere Wahl für alle, die Meerwasser dem Bergwasser vorziehen.

Beste Canyoning-Zeit auf Madeira

Die Canyoning-Saison läuft von April bis Oktober. November bis März sind die Wasserstände durch Regen zu hoch — die Schluchten werden gefährlich, und seriöse Anbieter sagen Touren ab. Mai und Juni bieten den besten Kompromiss aus Wasserführung und Wassertemperatur: Die Schluchten sind voll genug für beeindruckende Wasserfälle, aber nicht überlaufen. Juli bis September sind wärmer (Luft 24-26°C, Wasser 19-21°C), aber auch touristischer.

Vormittagstouren (8-9 Uhr Start) sind die beste Wahl: ruhigeres Licht, weniger Gruppen, und die steilen Aufstiege zurück zum Ausgangspunkt sind vor der Mittagshitze geschafft. Nachmittagstouren im August können auf den Rückwegen unangenehm heiß werden, besonders an der Südküste.

Buchen Sie mindestens 3-4 Tage im Voraus, im Sommer eine Woche. Die Level-1-Touren sind oft ausgebucht. Diese Canyoning-Tour mit 4,99★ bei 1.139 Bewertungen ist die nachgefragteste auf der Insel.